Archive of September 2008

19 September
18 September

Tag 2

Corbinian schreibt fleißig weiter!

 

Midautumn Festival

Damit, dass ich gleich an meinem ersten Wochenende einen Festtag erleben würde, hätte ich nun auch nicht gerechnet (hätte ich im Vorfeld der Reise vielleicht doch etwas mehr recherchieren sollen?), aber tatsächlich ist gerade das für Chinesen sehr wichtige “ Midautumn Festival “. Allerdings habe ich aufgrund von anhaltenden Verständigungsschwierigkeiten (das Englisch der Chinesen zu verstehen erweist sich als nicht wirklich einfach) noch nicht ganz herausfinden können, ob es nun Sonntag und Montag, oder nur Montages stattfand, klar ist nur, dass der Vollmond dabei eine wichtige Rolle spielt. So oder so war es für meine Gastfamilie Grund genug, abends in ein Toprestaurant zu gehen und wer hätte es gedacht, auch darunter verstehen die Chinesen etwas anderes als wir, aber dazu später mehr.
Begonnen hat mein zweiter Tag nämlich für mich äußerst früh (halb 9, mein Gastbruder erklärte mir, dass er auch am Wochenende immer um 7 aufsteht, was, denke ich mir, wohl an den Unmengen von Hausaufgaben liegt, die er an einem Wochenende zu bewältigen hat) in einem KFC, was so etwas wie ein McDonalds in China ist. Noc erklärte mir er wolle mir unbedingt ein klassisch chinesisches (dass KFC eine Kette aus den USA ist und somit eher “ klassisch” amerikanisch scheint ihm entweder nicht geläufig zu sein, oder aber für die Chinesen ist ein Frühstück dort inzwischen zur beliebten Tradition avenciert) Frühstück bieten und das sah so aus: Burger, Suppe, Frühlingsrollen und sehr, sehr süße Teigware. Hatte ich auch Angst um meinen Magen (das hatte ich bisher zwar mehrere Male, aber vertragen habe ich alles ausgezeichnet) und war es für mich absolut ungewöhnlich so etwas als erste Nahrung des Tages zu mir zu nehmen, geschmeckt hat es auf alle Fälle! Und wie ich später erfahren sollte, konnte ich eine gute Unterlage auch duchaus gebrauchen. Wir hatten nämlich vor das “ shanghai museum of arts” zu besuchen, da dort an diesem Tag danke Feiertag der Eintritt frei war, dank?  Nun ja, was der Feiertag uns wirklich bescherte war die längste Schlange, die ich ja gesehen habe und nun kommt es mir im nachhinein lächerlich vor, dass wir vor den vergleichsweise lächerlichen Wartezeiten in Florenz zurückschreckten! (Dass diese für europäische Verhältnisse auch durchaus beträchtlich ausfallen dürfte jedem bekannt sein, der je versucht hat in der Ferienzeit die Offizien zu besuchen…) Diese Schlange erstreckte sich nämlich ungelogen über gut 700 Meter….Also blieb uns nur eins: Planänderung, und so besuchten wir schließlich das “Shanghai National Museum” vor dem nur eine gut 200 Meter lange Schlange darauf wartete erobert zu werden. Geboten bekam ich für diese lange Wartezeit dann jedoch einen sehr interessanten und sehenswerten Überblick über die jahrtausende alte chinesische Kultur. Ausgestellt ist in dem Museum nämlich fast alles wofür China berühmt geworden ist: klassische Tracht aus verschiedenen Provinzen, alte Münzen, die ersten Geldscheine der Welt, Porzelan der Ming Dynasty, Kalligraphie und auch alte Bronze.
Die nächste Station des Tages war ein sehr traditionell gehaltener Häuserblock nahe dem Peoplesquare, der die Shanghaier Upperclass mit seinen guten europäischen Restaurants, aber vor allem Europäer selbst mit seiner auf alt chinesisch gemachten Architektur magisch anzieht und so hätte ich eigentlich nicht überrascht sein dürfen mitten in Shanghai einen Paulanergarten vorzufinden …
Nach all diesen interessanten Eindrücken gönnten wir uns schließlich das wohlverdiente Mittagessen in einem Restaurant (das erste ECHTE chinesische Restaurant meines Lebens!), das für seine scharfe Küche berühmt (oder sollte ich sagen “berüchtigt” ?) war und so war ich auf einiges gefasst. Zu meiner großen Überraschung stellte sich heraus, dass die Chinesen selbst mit den scharfen Speisen mehr zu kämpfen hatten als ich (mir schmeckte es ausgezeichnet). Es stimmte also, dass in Shanghai nicht so scharf gegessen wird, wie in anderen Teilen Chinas und ich bin mir sicher, dass ein Großteil unserer Gruppe darüber erleichtert sein dürfte.
Nun also zurück zu dem anfangs erwähnten “etwas anderen” Restaurant, das wir rund 2 Stunden später zum Abendessen besuchten. Äußerst ungewöhnlich für mich waren schon die “Vorbereitungen” auf dieses im wahrsten Sinne des Wortes “Festessens” und zwar in dem Sinne, dass es schlicht und einfach keine gab. Würden wir Deutschen uns normalerweise an so einem Festabend nur in Abendgarderobe in ein teures Restaurant trauen (ich vermeide bewusst die Begriffe “schick” und “fein”) machten wir uns nach einem solch anstrengenden “Touritag” ohne uns umzuziehen und durchgeschwitzt, direkt dorthin auf den Weg, was mir zunächst durchaus unangenehm war. Im Restaurant angekommen verflogen meine Zweifel jedoch augenblicklich, denn auch das Restaurant selbst war völlig anders als das, was wir Deutsche gewohnt sind. Da bringen die Bedienungen das Essen auf Rollschuhen, an den Wänden hängen Fernseher (die hängen in China allerdings absolut überall ), während des Essens erwartet einen eine knallbunte Showeinlage und das schließlich, was man in einer halben Sunde auf dem Teller haben wird, springt vorher noch quietschvergnügt im Aquarium herum. Genau das ist es nämlich was die Chinesen offensichtlich unter “fangfrisch“ verstehen, denn tatsächlich sucht man sich sein Essen noch quietschfidel in einer Reihe von Aquarien aus. So schrecklich das für zartbeseitete Europäer(innen) vielleicht sein mag, ich war begeistert endgültig in einer völlig fremden Kultur angekommen zu sein und ließ mir einen fangfrischen Hummer, sowie eine Schlange und vieles mehr was wir als “exotisch” bezeichnen würden, richtig schmecken!

Tag 1

Corbinian Schwab schreibt:
Es ist also wieder einmal so weit, es heißt auf nach China, auf nach Shanghai und tatsächlich haben sich dieses Jahr mehr Reiselustige denn je dafür gemeldet das “Tor des Westens” zu beschreiten, das unter Frau Fleischmann das erste mal für Schüler des IGG aufgestoßen wurde. So ist es dieses Mal also an uns, den Chinesen zu zeigen, was “gstandne Bayern san”.
Weil wir also genau das beweisen wollen, darf eine Demonstration bayerischen Brauchtums auf der Abschiedsfeier, die uns zu Ehren an unserem letzten Aufenthaltstag gegeben wird, natürlich nicht fehlen und so stand uns bereits am Flughafen unser erstes “Abenteuer” bevor, nämlich das Einstudieren einer “Sternpolka” mitten auf dem Münchner Flughafen. Abgesehen davon, dass es für uns auch eine gute Gelegenheit war uns die Zeit bis zum Abflug und die Nervosität vor der Reise zu vertreiben, war es außerdem eine Gelegenheit das Gefühl kennen zu lernen von allen Seiten angestarrt zu werden, das uns in Shanghai wohl zur Genüge erwartete und so ließen wir uns die Laune nicht verderben, sondern boten spontan allen Anwesenden eine, wie ich meine, sehr unterhaltsame Vorstellung.
Nun also hieß es “Good bye Deutschland, good bye Europa, good bye bekannte Welt”, denn schließlich hatten wir die Grenzen vertrauter Gefilde und somit abendländischer Kultur hinter uns gelassen und waren auf dem Weg nach Shanghai, Megacity und Chinas Boomtown schlechthin. Wenn das Unterhaltungsprogramm der Lufthansa auch keine Wünsche offen lässt und der Flug sehr angenehm war (meine Befürchtungen, entweder erst gar nicht zu starten oder nach 100 Metern in die Luft zu fliegen haben sich nicht bewahrheitet), ist es doch das erste Mal für mich bei anhaltendem Motorenlärm (fliegen wir doch noch in die Luft ??) auf einem Quadratmeter völlig erfolglos zu versuchen mich von dem ersten Lied meiner “China Playlist “ in den Schlaf wiegen zu lassen. “Wenn für mich eine Reise in das (wie ich nun endgültig realisiert habe) ferne Shanghai schon mit Strapazen verbunden ist, wie mag sich dann wohl Marco Polo gefühlt haben, der nicht die Möglichkeit hatte, sich statt mit Schlaf die Zeit wenigstens mit “KungfuPanda & Co” zu vertreiben?” war die Frage, die ich mir während des ganzen restlichen Fluges unentwegt stellte. An dieser Stelle solllte ich vielleicht doch kurz erklären, wie ich gerade auf Marco Polo komme: Nun ja, meine Reisevorbereitungen lagen entgegen der nun vielleicht naheliegenden Vermutung nicht darin, den allseitsbeliebten Marco Polo Reiseführer, der auch tatsächlich mindestens 2 meiner “Mitstreiter” begleitet, zu studieren (Mein treuer Weggefährte ist vielmehr ein Reiseführer von “National Geographic”, der meiner Meinung nach wesentlich besser ist…aber das nur nebenbei erwähnt), sondern darin, mich auf die Suche nach passender Reiselektüre zu machen. Was also beim Durchstöbern meines Bücherregals schließlich zum Vorschein kam, war Gary Jennings “Marco Polo”, ein Roman, der sich nicht nur, aber umso mehr, für Shanghaireisende lohnt. Geistig also immer noch mit Marco Polo auf der Seidenstraße war unser Flieger letztendlich sicher gelandet.
Wären die Wände nicht voll von chinesischen Schriftzeichen gewesen, hätte man meinen können man wäre in die falsche Maschine gestiegen, denn statt der Megacity erwartete uns ein völlig normal aussehender Flughafen in “the middle of nowhere”. Als ich jedoch die ersten Geldscheine in die Hand bekam, wusste ich, dass ich definitiv doch in die richtige Machine gestiegen war: da blickt einem ein freundlich lächelnder Mao entgegen und als Deutscher stelle ich mir unwillkürlich vor wie es für uns wäre, wenn uns Hittler von einem Hundert Euroschein angrinsen würde ( ich weiß, dass dieser Vergleich politisch wie geschichtlich nicht ganz korrekt ist )…so absurd diese Vorstellung für uns sein mag, hier ist sie Geld gewordene Realität und es wird nicht das letzte Mal sein, dass ich mit der anhaltenden Verehrung für Mao konfrontiert worden bin.
Nachdem ich also diesen ersten Kulturschock überwunden hatte, wurde, als wir den Flughafen verlassen hatten, nun auch an der Umgebung augenscheinlich, dass wir nicht mehr in Europa waren. So viele Chinesen auf einem Haufen, das gibt es wohl doch nur in China! Während mein erster Griff umringt von diesen Massen instinktiv zu meiner Sonnenbrille ging (draußen ist von Sonne nichts zu sehen und es steht ein Gewitter am Himmel! das erste schlechte Omen?) fragte ich mich ob ich mich nun mehr wie ein Star oder ein Außerirdischer fühlen sollte. Eines jedenfalls ist sicher: “from now on, we.re something special“ (nun ja, am Münchner Flughafen waren wir das in gewisser Weise ja auch schon)
Nach einer einernhalbstündigen Busfahrt raus aus der Pampa, rein in die Megacity (Shanghai Pudong International Airport liegt nämlich außerhalb und am anderen Ende der Stadt als die Schule) auf der ich mir das erste Nickerchen seit rund 40 Stunden gegönnt habe, waren wir nun auch endlich an der Schule angekommen und nun hieß die Frage : “ who is my exchange partner ? “ ….habe ich auch schon ein Bild von meinem Gastbruder Noc erhalten und damit einen, möchte man meinen, klaren Vorteil gegenüber anderen, war mein erster Gedanke nur “ die sehen ja wirklich alle gleich aus “ und der zweite “ denken die das auch von uns ?? “...5 Minuten später war der Parkplatz, wie von Herrn Roppel prophezeit jedoch leer und mir war nach Ausschlussprinzip klar, dass der einzig verbliebene Junge tatsächlich der sein muss, für den ich ihn gehalten habe =)
Also rein ins Auto und los gings…die erste angenehme Überraschung für mich : wir nehmen in einem komfortablen BMW Platz und sind nach 10 minütiger Fahrt in einer ebenso komfortablen Wohnung, ausgestattet mit 4 flatscreen TVs, W-lan und einem eigenen Zimmer für mich ( gut, dass ich meinen Laptop dabei habe!), in das ich mich dann auch gleich einschließe um endlich doch noch ein paar Stunden Schlaf zu bekommen.
Wieder erwacht lernte ich meine Familie kennen, von deren Lockerheit ich durchwegs positiv überrascht bin. Ebenso überraschen mich, wiewohl ich schon davon gehört habe, die Essensgewohnheiten der Chinesen, kurz gesagt man darf alles was in Deutschland absolut unmöglich wäre, da wird laut geschmatzt, mit vollem Mund gesprochen, die Hälfte wieder ausgespuckt und während des Essens ferngesehen… alles in allem sogar für mich, der ich nicht gerade für die allerbesten Tischmanieren bekannt bin, mehr als ungewohnt. Das erste echt chinesische Essen meines Lebens jedoch war, wenn auch völlig anders als das, was man in Deutschland unter “ chinesisch” vorgesetzt bekommt, absolut ausgezeichnet. Der augenfälligste Unterschied zu dem Essen “im Chinarestaurant um die Ecke” ist die Vielfalt der Speisen. Welcher deutsche Chinarestaurant Liebhaber würde schon auf die Idée kommen, dass in China tatsächlich nicht auf jeder Speisekarte die “ Ente mit Hoisinsoße “, die “ Flülingslolle “ oder das “ Schweinefleisch süß sauer “ zu finden ist ? Apropos “flüllingslolle”, das “R” und die Chinesen sind wirklich ein Thema für sich, tatsächlich musste ich gleich an meinem 2 ten Tag versuchen einer Chinesin beizubringen das “R” auszusprechen und was soll ich sagen, ich bin kläglich gescheitert! Alles was ich zustande gebracht habe ist, dass sie jetzt imstande ist wie ein zu klein geratenes Tigerbaby zu knurren.

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